Externe abschließende Beurteilung des von CottonConnect in China, Indien und Pakistan implementierten Multi Country Sustainable Cotton Programme.

 

 

STECKBRIEF
Programm
Nachhaltige Rohmaterialien
Titel: Multi Country Sustainable Cotton Programme in China, Indien und Pakistan
Partner: CottonConnect
Investition: 6,18 Millionen USD (C&A Foundation)
Dauer: 4 Jahre (2014 - 2017)
Geografische Ausdehnung: China, Indien und Pakistan

 

Was haben wir beurteilt?

Das von CottonConnect und lokalen Implementierungspartnern in China, Indien und Pakistan implementierte Multi Country Sustainable Cotton-Programm wurde von der C&A Foundation mit dem übergreifenden Ziel finanziert, nachhaltige Baumwolle zu fördern. Die Zielsetzungen des Programms waren 1) Bereitstellung technischer Unterstützung indischer Baumwoll-Farmer für biologische Anbaupraktiken; 2) Bereitstellung von Tropfbewässerungssystemen für indische Kleinfarmer; 3) biologische Saatgutentwicklung in China und Indien; 4) Förderung des Sektors für nachhaltige Baumwolle durch Partnerschaften (runder Tisch für Bio-Baumwolle) sowie 5) Übergang indischer, chinesischer und pakistanischer Farmer von den REEL-Standards (Responsible Environment Enhanced Livelihoods) zu den Standards der Better Cotton Initiative (BCI). Dieses Programm umfasste mehrere Komponenten, von denen nicht alle in sämtlichen Ländern präsent waren. Diese zahlreichen eigenständigen Komponenten bestanden bereits vor 2014 und entwickelten sich im Laufe der Zeit. 

 

Die Beurteilung erfolgte in der Zeit zwischen Juli 2017 und November 2017. Die wichtigsten Ergebnisse für jede Programmkomponente sind nachstehend aufgeführt.

 

Ergebnisse

Insgesamt ergab die Beurteilung, dass die einzelnen Programmkomponenten nachhaltige Baumwolle auf unterschiedlichem Erfolgsniveau förderten. Im Allgemeinen erfüllten die auf einer direkten Zusammenarbeit mit den Farmern basierenden Komponenten weitgehend ihre Zielsetzungen, d. h. Zugang zu Tropfbewässerung, Übergang der Farmer von Responsible Environment Enhanced Livelihoods-Standards (REEL) zu Better Cotton Initiative-Standards (BCI).

  1. Förderung der Tropfbewässerung für Kleinfarmer (Indien)
  • Mobilisierung verschiedener Akteure und Instrumente führte zu einem effektiven Einsatz der Tropfbewässerung. Der lokale Implementierungspartner, das Aga Khan Rural Support Programme (AKRSP), konnte mit der Mobilisierung von Erweiterungsmaßnahmen die Einführung der Tropfbewässerung bei Kleinfarmern in Gujarat effektiv verbessern. Darüber hinaus bündelte die Initiative den Nutzen von Regierungszuschüssen inklusive der einfachen Inanspruchnahme von zinslosen Krediten ohne Sicherheiten sowie Flexibilität bei der Kreditrückzahlung entsprechend der wirtschaftlichen Situation der Farmer. Die Auswahl des AKRSP als Partner mit umfangreicher Erfahrung auf dem Gebiet der Tropfbewässerung war der Schlüssel zum Erfolg. 

 

  1. Biologische Saatgutentwicklung (China und Indien)
  • Die Leistung war aufgrund eines unrealistisch definierten Zeitrahmens (1 Jahr) für die Entwicklung biologischer Samen gemischt. Wenngleich die biologische Saatgutentwicklung eine wichtige Rolle bei der Unterstützung des Wachstums und der Nachhaltigkeit der biologischen Baumwollproduktion spielte, galt dies aufgrund des knappen Zeitrahmens sowie externer Umgebungsbedingungen nur bedingt für die Auswahl der vier Partner - drei in Indien, einer in China - für die Implementierung der Produktion.  CottonConnect gelang es ebenfalls nicht, eine umfassendere Zusammenarbeit zwischen anderen Saatgut-Initiativen und Interessenvertretern zu fördern, um Marktanreize für die Unterstützung der biologischen Samenproduktion zu schaffen.

 

  1. Umstellung der Farmer von REEL- auf BCI-Standards (China, Indien und Pakistan)

Responsable Environment Enhanced Livelihoods (REEL) war ein dreijähriges landwirtschaftliches Schulungsprogramm von CottonConnect zur Förderung nachhaltiger Baumwoll-Anbaupraktiken, vergleichbar mit dem anerkannteren Standard der Better Cotton Initiative (BCI). Ziel der Initiative war die Umstellung von 11.019 Farmern in China, Indien und Pakistan von den REEL- auf die BCI-Standards.

  • Die Zertifizierungsziele wurden vom Programm nicht erreicht. Während des Zeitraums 2015 - 2016 konnte das Programm 57 % der Zielgruppe in 5 Projekten auf die Arbeit nach BCI-Standards umstellen, und während des Zeitraums 2016 - 2017 wurden in 6 Projekten 81 % der Zielgruppe umgestellt.

 

  • BCI-Farmer berichteten von positiven Veränderungen wie geringerem Wasserverbrauch und durchschnittlich höheren Baumwollernten. Bei der Umstellung von REEL auf BCI erzielten diejenigen Farmer, welche die geförderten Methoden erlernten und praktizierten, höhere Baumwollernten sowie höhere Gewinne aus der Baumwollkultivierung und senkten den Verbrauch an Wasser und Pestiziden im Vergleich zu konventionellen Baumwollfarmern. Jedoch ergab die Beurteilung, dass die Gemeinschaftseinrichtungen der Farmer nur über unzureichende Kapazitäten verfügten, um eine langfristige Unterstützung des BCI-Standards zu gewährleisten. 

 

  1. Runder Tisch für Bio-Baumwolle (Indien)

CottonConnect organisierte im März 2014 als ersten Schritt in Richtung seiner Vision einen runden Tisch für Bio-Baumwolle, um Maßnahmen zur Förderung nachhaltiger Baumwolle in Indien zu bestimmen und zu entwickeln, die gemeinsam mit zahlreichen Teilnehmern des runden Tisches und anderen Akteuren implementiert werden sollten.

  • Die Ergebnisse des runden Tisches waren auf die Entwicklung des Organic & Fair Cotton Secretariat (OFCS) beschränkt:  Trotz ambitionierter Ziele bestand das unmittelbare Ergebnis des runden Tisches aus der Gründung des aus mehreren Interessenvertretern bestehenden Organic Fair & Cotton Secretariat (OFCS) zur Entwicklung der Aktionspunkte durch die Involvierung wichtiger Akteure aus der Industrie, zu denen neben anderen CottonConnect, C&A Foundation, Textile Exchange, Fairtrade International sowie die bioRe Foundation gehörten. Die Implementierung wichtiger, im Rahmen des runden Tisches identifizierter Aktionspunkte wurde nicht nachverfolgt. 

 

  1. Organic Cotton Farmer Training Programme (OCFTP) (Indien und Pakistan)

Das Organic Cotton Farmers Training Programme (OCFTP) bildete den Kernbereich der Investition durch die C&A Foundation. Ziel des Programms war es, technische Unterstützung (in Form von Schulungen für Farmer) und finanzielle Unterstützung (in Form von Kostenübernahmen für die Bio-Zertifizierung) für Baumwollfarmer bereitzustellen, um ihnen die Umstellung von der konventionellen auf die biologische Baumwollproduktion zu ermöglichen. Neben einem kleinen Pilotprojekt in Pakistan 2014 realisierte CottonConnect dieses Programm durch lokale Partner in den vier 2014 für einen Zeitraum von vier Jahren ausgewählten indischen Bundesstaaten.

 

  • Während dem Programm eine gute Relevanz bestätigt wurde, erwies sich die Auswahl geeigneter lokaler Partner als problematisch. Das OCFTP spielte eine wichtige Rolle bei der Förderung der biologischen Baumwollproduktion des Landes sowie der Entwicklung eines politischen Schwerpunkts für nachhaltigen Anbau in Indien und war auf die Vision für nachhaltige Baumwolle der C&A Foundation ausgerichtet. Die Beurteilung ergab, dass CottonConnect bei der Etablierung von Partnerschaften mit den beabsichtigten Organisationen nicht erfolgreich war und infolgedessen andere Partner bestimmen musste. Darüber hinaus war die Auswahl des Gebiets sowie der Farmer im Bundesstaat Gujarat aufgrund der eindringenden Salinität nicht optimal. Dennoch trat CottonConnect erfolgreich an eine Reihe von Interessenvertretern wie technische Institute, Samen-/Einsatzmittellieferanten, Zertifizierungsstellen, Testlabore etc. heran, um Gespräche über Bio-Baumwolle zu ermöglichen.
  • Das Programmkonzept war schwach und definierte ambitionierte Ziele, die während der Implementierung erneut aufgegriffen wurden: Der Umfang der Tätigkeit sowie die angestrebten Ziele waren vor dem Hintergrund der Team-Kapazitäten bei CottonConnect unrealistisch. Dies spiegelte sich in Problemen bei der Programmkonzeption sowie in Änderungen und Anpassungen des Logframes während der Implementierung wider.
  • Ernteerträge, Anbaukosten und Nettogewinn veränderten sich positiv, während andere Indikatoren das Ziel nicht erreichten: Die Beurteilung ergab, dass die OCFTP-Farmer während des Förderungszeitraums ihre Ernteerträge steigern, die Anbaukosten reduzieren und den Nettogewinn pro Flächeneinheit im Vergleich zu anderen Farmern erhöhen konnten. Während des OCFTP-Leistungszeitraums erreichte der durchschnittliche Nettogewinn pro Morgen den Wert der Vergleichsfarmer und überstieg diesen während des Zeitraums 2016 - 2017. Weitere Indikatoren wie die Gründung von Gemeindekomitees für Bio-Baumwolle und ihre Sitzungen sind auf den Austausch von Informationen beschränkt und entwickelten sich nicht zu geeigneten Instrumenten, um den Farmern einen besseren Marktzugang zu ermöglichen. Die im Rahmen der Beurteilung besuchten Farmer berichteten von erheblichen Verbesserungen der Land- und Bodenqualität, und da sie die wirtschaftlichen und umweltbezogenen Vorteile der biologischen Anbaupraktiken erkennen, ist zu erwarten, dass sie diese fortsetzen.

 

Welche Erkenntnisse haben wir gewonnen?

 

Die verschiedenen Komponenten des Multi Country Sustainable Cotton Programme lieferten mehrere Erkenntnisse, die wie folgt zusammengefasst werden können:

 

Für die C&A Foundation

  • Realistische Zeitrahmen für Komponenten wie die biologische Saatgutentwicklung und die Schulung von Bio-Farmern sind entscheidend für das Erreichen der erwarteten Ergebnisse: Programme wie die Saatgutentwicklung erfordern Forschungen und Tests über mehrere Vegetationsperioden hinweg und benötigen daher längere Zeitrahmen und die entsprechenden Ressourcen, um die erwarteten Ergebnisse zu erzielen. Die Schulung von Bio-Farmern ist nicht auf den Übergang zur biologischen Kultivierung beschränkt, sondern der Aufbau von Erzeugerorganisationen zur Unterstützung der Farmer sowie zur Verbesserung des Marktzugangs erfordert ebenfalls entsprechende Zeit. Dies nimmt in vielen Fällen Jahre in Anspruch, nicht lediglich Monate.

 

  • Ein besseres Verständnis des lokalen Kontexts sowie der Kapazitäten von Partnern ist wichtig, um realistische Ergebniserwartungen zu definieren: Dies vermeidet mittelfristig übermäßige Kurskorrekturen der Logframe-Indikatoren und Ziele. Dennoch bot das Programm wichtige Möglichkeiten für die Stiftung, adaptive Management-Techniken zu erlernen.

 

  • Ein ganzheitlicher Ansatz für ein Programmkonzept liefert vermutlich bessere Ergebnisse: Das Programmkonzept berücksichtigte keine Möglichkeiten, Überschneidungen zum Vorteil farmerbezogener Initiativen wie Tropfbewässerung und biologische Baumwollkultivierung/BCI zu nutzen.

 

  • Die Berücksichtigung der Exit-Strategie und der Programm-Nachhaltigkeit vom Konzept bis zur Implementierung ist unverzichtbar: Für die dauerhafte Förderung biologischer/nachhaltiger Baumwolle muss die Exit-Strategie bereits in den Anfangsphasen der Programmentwicklung definiert und mit den Partnern koordiniert werden.

Für Partner und andere Beteiligte

 

  • Die sorgfältige Auswahl geeigneter lokaler Partner ist entscheidend für das Erzielen von Ergebnissen: Die Auswahl geeigneter Programmpartner mit langfristigem Interesse an Konzepten und Ergebnissen ist für den Programmerfolg von entscheidender Bedeutung. Die Tropfbewässerung nutzte die Erfahrungen und Konzepte des auf CottonConnect ausgerichteten AKRSP. 

 

  • Formelle Mechanismen, um Erkenntnisse zu gewinnen und den Implementierungspartnern ein übergreifendes Lernen zu ermöglichen, sind wichtig für kontinuierliche Verbesserungen: Die Programme sollten Mechanismen enthalten, mit deren Hilfe initiativenübergreifende Erfahrungen und Erkenntnisse dokumentiert und mit lokalen Partnern geteilt werden können. Statt eines isolierten Betriebs erleichtern Berührungspunkte mit den Partnern den Austausch von Erfahrungen und Erkenntnissen im Rahmen des Programms.